Juliane Werding – Am Tag als Conny Kramer starb


Neulich hatte ich so nostalgische Anwandlungen und dachte zurück an meine Jugend. Und ich stellte mir die Frage, was eigentlich das erste zeitgenössische Lied gewesen ist, das ich bewusst wahrgenommen habe. Da kam mir sofort die deutsche Version von Robbie Robertson’s (The Band) Bürgerkriegsballade The Night They Drove Old Dixie Down in den Sinn. Ich erinnere mich zwar auch sehr gut an so einen Ohrwurm wie Sugar, Sugar von den Archies, der schon Ende 1969 rauskam, aber ich gehe mal davon aus, dass ich ihn erst später bewusst gehört habe, ich habe jedenfalls keine Erinnerung an einen Ort oder einen Zeitpunkt. Damals wäre ich sechs gewesen. Das war anders mit Conny Kramer. Das Lied habe ich auf dem Schulhof der Grundschule in Moers-Hülsdonk gehört. Wahrscheinlich als ich schon auf dem Heimweg war. Ich war acht Jahre alt und in der 3. Klasse. Die Szene am Grab mit den läutenden Glocken und den weinenden Freunden ist sofort haften geblieben und ich fand sie unheimlich traurig. Allerdings habe ich nie verstanden warum Conny Kramer gestorben ist. Der Schlager tönte glaube ich aus einem Transistorradio. Das war also 1972 noch vor den olympischen Spielen in München, an die ich mich sehr gut erinnern kann, da ich sie vorm Fernseher in Vaters kleinem Zimmer mit der Terrassentür von morgens bis abends verfolgte. Es war ein wunderbarer Sommer. Bis zu dem Terroranschlag im olympischen Dorf. 1972 war das Jahr, in dem der Tod sich das erste Mal ganz fern am Horizont bemerkbar machte in meinem Leben. Juliane Werding war gerade mal 16 als sie mit diesem Schlager ihren Durchbruch hatte. Der Text hat einen autobiographischen Hintergrund. Sie kommt aus Essen und zog dort mit einem Straßenmusikanten namens Peter durch die Fußgängerzone. Er war der erste Drogentote in Essen. Wenn man sich das vergegenwärtigt, dann kommt sie einem hier unglaublich tapfer vor und man versteht auch warum sie so ernst und niedergeschlagen guckt.

7 Antworten to “Juliane Werding – Am Tag als Conny Kramer starb”

  1. mannaman Says:

    Ein absolut geniales Lied, das ich erstmals 1990 bei meiner Hippie-Nachbarin in der Studi-WG hörte. Ich war direkt verliebt. In das Lied und die Nachbarin. Wie immer also..

  2. ohrensause Says:

    und was ist das erste lied an das du dich erinnerst? bei i love music trudeln gerade die ersten antworten ein. einige leute erinnern sich daran, was sie mit drei gehört haben. unglaublich.

  3. comma Says:

    ich habe eine sieben jahre ältere schwester, die anfang der sechziger eine single von johnny halliday anschleppte, eigentlich wohl wegen der a-seite (aber nur mit mir) gekauft, an die ich mich kaum erinnere. hingerissen hat uns nämlich die b-seite: „ja der elefant“, zu der ich bei jeder passenden und unpassenden gelegenheit mit ihr tanzen musste. mein damaliges alter verrate ich lieber nicht.

  4. mannaman Says:

    Das erste, das ich noch mit Titel und Interpret kenne ist wohl „men without hats“ und der Titel hieß „safety dance“ oder so.

    1982, ich war 10.

  5. mannaman Says:

    PS: finds heute noch gut

  6. ohrensause Says:

    @comma: was für eine tolle obskurität. ein von einem franzosen auf deutsch gesungener twist. dagegen kommt einem let’s twist again von chubby checker fast schon ordinär vor. erst dachte ich, das wäre die gleiche melodie. halliday ließ sich wohl davon inspirieren. sein lied ist von 1962, chubby checker’s von 1961.

    @mannaman: das lied hatte ich total vergessen. den namen der band habe ich nie gekannt. muss ich wohl in meiner bundeswehrzeit 1983 in einer oldenburger disco gehört haben. wobei damals der ganz große smash-hit nena’s 99 luftballons war.

  7. comma Says:

    halliday hat ja vor allem in französisch gesungen, so auch „viens danser le twist“, und hat sicherlich das einsetzen meiner frankophilen phase beschleunigt. let’s twist again bringe ich eher mit chuck berry in verbindung, während chubby checker in meiner erinnerung (etwas schlanker) immer nur let’s do the twist gibt. das ist nicht ganz korrekt, wie ich eben feststellen musste, aber beide herren repräsentierten – zumindest im erscheinungsbild – auch nicht mehr so ganz den zeitgeist.

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