Cocteau Twins – Wax and Wane


Das ist das zweite Lied auf der ersten Platte der Cocteau Twins, die im Juni 1982 rausgekommen ist. In dem Monat gegen dessen Ende ich mich auf eine Reise gemacht habe, von der ich eigentlich nicht zurückkommen wollte und in gewisser Weise auch nie zurückgekommen bin. Liz Fraser, die ätherische Stimme der Cocteau Twins, war 18 zum Zeitpunkt der Aufnahme. Sie ist sechs Wochen jünger als ich wie ich vor kurzem herausfand.

Der Song beginnt mit einem langsam anschwellenden Hallton. Die kosmische Hintergrundstrahlung als Geräusch? Und nimmt damit den Faden des ersten Liedes Blood Bitch auf, das entsprechend ausklingt. Enter the drum machine. Sowie der elektrische Bass von Will Heggie, der diesem Album und diesem Lied den sonoren Sound gibt. Ominös und dunkel, in den Vordergrund gemischt, stark hallend, ist der Bass hier das Leadinstrument. Ganz in der Schule von Peter Hook bei Joy Division/New Order. Der schnell gespielte, kraftvolle, erdig-melodische Bass windet sich geschmeidig um die drum machine, deren perfekter, klinischer Rhythmus mich ausnahmsweise mal nicht stört. Er passt in die bedrohliche und bedrückende Atmosphäre. Und akzentuiert das anziehend Hypnotische des repetitiven, minimalistischen Songs noch. Robin Guthrie’s verzerrte, feedbackgetränkte Gitarre versorgt das Stück mit einem zusätzlich verunsichernden, lärmigen Element. On top of that kommt dann nach über einer Minute Liz Fraser’s mädchenhafte, gurrende Stimme hinzu. Sie bringt engelhaftes Licht in die Dunkelheit und hält das Lied davon ab, dass es sich völlig im Schattenreich verliert.

Im Gegensatz zu den anderen federleichten Cocteau Twins Platten, deren Musik zu schweben scheint und den Hörer nach oben Richtung Himmel trägt, zieht dieses ernste und gewichtige Album nach unten auf die Erde. Vielleicht sogar zur Hölle hin. Wie auch einige andere Meisterwerke des cold wave (Joy Division’s Closer, New Order’s Movement, The Cure’s Faith, The Birthday Party’s Junkyard) hat dieses Album einen Titel aus einem Wort, das allerdings weniger abstrakt bzw. schmuckvoller daherkommt: Garlands (Girlanden).

Nachdem ich am Wochenende mal alle knapp hundert Cocteau Twins Lieder außerhalb des Albumkontexts durch- bzw. angehört habe, kam ich übrigens zu dem überraschenden Ergebnis, dass ich Garlands (7/8 Stücke, die ich mag) Heaven or Las Vegas (8/10) vorziehe. Noch erstaunlicher war allerdings, dass diese beiden noch von dem vorletzten, recht poppigen Four-Calendar Café (9/10) übertroffen wurden. Ich bin halt doch sehr simpel gestrickt wie ein guter Kumpel sagen würde.

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