Archive for April 2010

4:06 PJ Harvey – The Dancer (1995)

April 30, 2010
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He came riding fast like a phoenix out of fire flames
He came dressed in black with a cross bearing my name
He came bathed in light and splendor and glory
I can’t believe what the lord has finally sent me

Vor ca. zehn Jahren am Anfang unserer Frankfurter Zeit sind wir mal ein Wochenende nach München gefahren, wo ich studiert habe. Aufhänger war ein Konzert von Giant Sand, damals gerade meine Lieblingsgruppe. Sie spielten im Industriepark im Osten der Stadt. 20 Uhr war als Startzeitpunkt angesetzt. Wir trudelten fünf nach acht ein. Ich hatte mich darauf eingestellt, ein Weilchen auf den Beginn des Konzerts zu warten aber das war nicht nötig. Howe Gelb und seine Mannen hatten pünktlich angefangen. Wie man das in Deutschland halt so macht. Das Trio Gelb, Burns & Convertino lieferte eine solide Vorstellung ab, war aber nach einer Stunde schon wieder weg von der Szene. Dann kam der main act, für den wir aber eigentlich nicht gekommen waren. PJ Harvey. Ein kleines, dürres, zierliches Persönchen. Mit einer unglaublichen Energie und Power. Sie tanzte über die Bühne wie ein wildgewordener Derwisch. Wie sie an dem Abend meine Lieblingsband hinweggefegt hat, das hatte etwas von einem Wirbewind, der übers Flachland weht und keinen Grashalm stehen lässt. Eines der intensivsten und eindrucksvollsten Konzerte, das ich erlebt habe.

(Die Liste aller seit 1. Februar [5:34] ausgewählten 89 Songs ist hier.)

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4:07 Sonic Youth – Kool Thing (1990)

April 29, 2010
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Kool Thing you’re sitting with a kitty
Now you know you sure look pretty
Like a lover, not a dancer
Super boy take a little chance here

Dieses Liedchen wird mir immer in Erinnerung bleiben als Filmmusik zu der Tanzszene in Hal Hartley’s Simple Men, einem Film, von dem ich ansonsten so gut wie alles vergessen habe. Ich hab ihn trotzdem gemocht, es war ein road movie, das eine Art von amerikanischer Unbekümmertheit ausstrahlte, wenn ich mich recht erinnere. Kim Gordon singt hier wohl über einen Rapper und sein machohaftes Gehabe. Das interessiert mich nun überhaupt nicht, aber der Song ist einer der eingängigsten der Band und war nicht umsonst ihre erste Single auf einem Majorlabel.

(Die Liste aller seit 1. Februar [5:34] ausgewählten 88 Songs ist hier.)

4:08 Joy Division – A Means to an End (1980)

April 28, 2010

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Heute mittag habe ich mein erstes Subway-Sandwich gegessen. Thunfisch auf Vollkornbrötchen mit Mexican Southwest Sauce und Honig Salz und Pfeffer sowie allem außer Paprika. Wir – zwei Kolleginnen und ich – gingen dann bei herrlichem Sonnenschein zum französischen Dom, wo wir uns auf die Stufen setzten. Nachdem ich das Sandwich ausgepackt hatte, konnte ich mir folgende kritische Bemerkung nicht verkneifen:

15 Zentimeter? Das sollen 15 Zentimeter sein?

(bei Subway gibt es normale 15 Zentimeter lange „Baguettes“ und 30 Zentimeter lange, ich hatte mich für die Kurzversion entschieden)

Worauf eine der Kolleginnen etwas in der Richtung sagte, dass sie diesen Gedanken auch schon mal gehabt hätte, allerdings in einem etwas anderen Zusammenhang. Es dauerte etwas bis es bei mir klingelte.

Der Bezug dieses Eintrags zu dem gewählten Lied mag auf den ersten Blick nicht erkennbar sein, aber das scheint nur so. 😉

(Die Liste aller seit 1. Februar [5:34] ausgewählten 87 Songs ist hier.)

4:09 The Velvet Underground – I’m Set Free (1969, closet mix)

April 27, 2010
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I saw my head laughing
rolling on the ground
And now I’m set free
I’m set free
I’m set free to find a new illusion

Von was singt Lou Reed hier nur? Von einem Drogentrip? Oder vielmehr vom Gegenteil, der Befreiung von einer Drogenabhängigkeit? Oder von einer Elektroschockbehandlung? Oder vielleicht von einer Nahtoderfahrung? Egal worum es hier genau geht, da hat jemand eine sehr tiefgehende Erfahrung gemacht, die ihn verändert hat und hat sie in Musik umgesetzt. Es ist ein ruhiges, hymnisches, pastorales Lied geworden, das eine starke positive Energie aussendet. Eine ähnliche Wirkung hat auf mich sonst nur religiös motivierte Musik wie Soul oder Gospel.

(Die Liste aller seit 1. Februar [5:34] ausgewählten 86 Songs ist hier.)

4:10 The Smiths – Still Ill (live 1986)

April 26, 2010
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Does the body rule the mind
or does the mind rule the body?
I dunno…

1. Es ist vollkommen unmöglich, in einer Lieblingsliedliste zu viele Songs von den Smiths zu haben (dies ist übrigens erst mein Zweiter).
2. Diese Livefassung ist vielleicht nicht die Beste, aber bestimmt die Unterhaltsamste. Morrissey artikuliert in Topform.
3. Johnny Marr’s Gitarrenspiel auf Still Ill klingt heute noch so locker-flockig frisch wie vor 24 Jahren.
4. Selten hat ein Titel so gut auf meinen aktuellen Körperzustand gepasst wie dieser hier. Was seltsam ist, im klimatisierten Großraumbüro läuft die Nase mit Haile Gebreselassie um die Wette während sie sich zuhause diskret ausruht. Erschlagen bin ich trotzdem.
5. Bzgl. Morrissey’s philosophischer Frage würde ich sagen, dass bei mir ganz klar der Körper den Geist beherrscht während es eventuell Leute gibt, ich denke da z.B. an Yogis und tibetanische Mönche, die ihre Körperfunktionen mit ihrem Geist steuern können.

(Die Liste aller seit 1. Februar [5:34] ausgewählten 85 Songs ist hier.)

4:11 Brian Eno & David Byrne – Regiment (1981, remastered)

April 25, 2010

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Sehr viele, sehr gute Songs hier (u.a. Joy Division’s kraftvoll-dunkles Shadowplay, Wild Is the Wind von Cat Power interpretiert als wäre es ihr eigenes Lied, das lyrische The Fox in the Snow von Belle & Sebastian, der Tanzknüller Some Distant Memory von Electronic, das meditative Spider Monkey von Beth Gibbons oder UB40’s sehr sommerlicher Ohrwurmreggae Food for Thought), aber dieser hier sticht ganz klar aus der Masse hervor. Ich habe gestern schon das Wort erwähnt. Transzendenz. Das mag sich jetzt etwas versponnen anhören, aber im Grunde höre ich Musik hauptsächlich deshalb, um herauszutreten aus dem profanen Hier und Jetzt in eine andere Dimension außerhalb von Raum und Zeit. Es sind solche Momente wie der reine Gesang der Libanesin Dunya Yusin, den Eno und Byrne auf My Life in the Bush of Ghosts gesampled haben. Es scheint eher ein Klagegesang ist, auf jeden Fall ist er überirdisch schön. Er ist eingebettet in einen unglaublich dicht gewobenen Rhythmusteppich. Die Beats werden u.a. auch auf gefundenen Objekten wie Bratpfannen, Pappkartons etc. geschlagen. Ich habe schon mal von diesem Stück geschwärmt, also belass ich es jetzt mal hiermit.

(Die Liste aller seit 1. Februar [5:34] ausgewählten 84 Songs ist hier.)

4:12 My Bloody Valentine – When You Sleep (1991)

April 24, 2010
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When I look at you
Oh, I dont know what I feel

Wieder schlecht geschlafen letzte Nacht, dann ein wunderschöner, frühsommerlicher Sonnentag. Und eine Depressionswelle von tsunamihaften Ausmaßen schlägt über mir zusammen. Ausweichen unmöglich. Versuche mich abzulenken, indem ich die Teakmöbel auf der Terrasse öle. Es klappt nicht so richtig. Eigentlich wollte ich einen anderen Song wählen, Skyscrape von Idaho, Sad-/Slowcore, meiner Stimmung angemessener. Aber mein Lieblingslied von Loveless ist transzendentaler. Und nebelverhangener. Ich suche jetzt den Schlaf auf den Federkernen. Hoffentlich finde ich ihn.

(Die Liste aller 83 seit 1. Februar (5:34) ausgewählten Songs ist hier.)

4:13 Jacques Brel – Ne Me Quitte Pas (1959)

April 23, 2010
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Laisse-moi devenir
L’ombre de ton ombre
L’ombre de ta main
L’ombre de ton chien

Wahrscheinlich das uncoolste Lied der Musikgeschichte. Fast hätte ich statt seiner Kool Thing von Sonic Youth ausgewählt. Aber wenn man mal ehrlich ist, dann muss dieses Chanson in einer Liste bester Lieder drin sein. Weil es das Liebeslied per se ist. Die Argumente, die der von seiner Liebsten Verlassene aufbringt, um sie zurückzugewinnen, sind so over the top, dass man sich ein inneres Lächeln kaum noch verkneifen kann. Er will ihr Regentränen aus Ländern anbieten, wo es nicht regnet. Er will die Erde nach seinem Tod umgraben, um ihren Körper mit Gold und Licht zu bedecken. Er will ihr die Geschichte von dem König erzählen, der daran gestorben ist, dass er sie nie getroffen hat. Und gegen Ende verspricht er ihr, dass er aufhören wird zu weinen und zu reden und sich verstecken wird, um sie nur noch beim Tanzen und Lächeln zu betrachten und ihr beim Singen und Lachen zuzuhören. Ganz am Schluss sieht er nur noch eine Möglichkeit, ihr nahezukommen. Als Schatten ihres Schattens.

P.S. Die autobiographische Geschichte hinter diesem Chanson war prosaischer. Eine von Brel’s Geliebten – er war mit Miche verheiratet und sie hatten drei Mädchen – war von ihm schwanger und er wollte die Vaterschaft nicht anerkennen, so dass sie sich gezwungen sah, das Kind abzutreiben und ihn zu verlassen. Brel hat auch gesagt, dass dies ein Lied über die Feigheit des Mannes sei. So erscheinen die ganzen Münchhausiaden, die er hier aufreiht, plötzlich in einem völlig anderen Licht.

(Die Liste aller seit 1. Februar (5:34) ausgewählten Songs ist hier.)

4:14 Nirvana – Come As You Are (Unplugged 1993)

April 22, 2010
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And I swear that I don’t have a gun
No, I don’t have a gun, no, I don’t have a gun
No, I don’t have a gun, no, I don’t have a gun

Heute abend in der U9 (oder war es in der U2?) auf einem dieser Bildschirme mit Schwachsinnsnachrichten über angebliche Promis, von denen ich glücklicherweise meistens noch nie etwas gehört habe (Gnade der frühen Geburt), stand plötzlich ein Name, den ich kannte. Courtney Love (46 wie ich). Die News war allerdings mal wieder keine. Angeblich hat sie daran gedacht, sich umzubringen weil sie sich so unglaublich hasst. Das habe ich dann sogar fast geglaubt. Kurt hatte übrigens damals doch ein Gewehr.

(Die Liste aller seit 1. Februar (5:34) ausgewählten Songs ist hier.)

4:15 Radiohead – Knives Out (2001)

April 21, 2010
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Catch the mouse
Squash his head
Put him in the pot

In diesem Lied geht es offensichtlich um Tiere, die auf gewaltsame Art getötet werden. Um Grausamkeit. Erst wird die Maus ihrer Freiheit beraubt, dann wird ihr kleines Köpfchen langsam zerquetscht und schließlich wird sie in den Topf gesteckt. Man kann sich ausmalen, dass der Topf mit kochendem Wasser auf dem heißen Herd steht. Am Ende wird die Maus oder was von ihr übrig ist dann wahrscheinlich noch mit den im Titel evozierten Messern klein geschnitten. Ein perfektionistischer Akt totalen Overkills. Und wie überirdisch schön die schlichte Melodie dazu ist. Das macht Angst. Bei Art Spiegelman waren die Mäuse die Juden.