Archive for Mai 2010

3:35 Pixies – Bone Machine (1988, live 2004)

Mai 31, 2010
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You look so pretty when you are unfaithful to me

Endlich ein Lied von den Pixies; es kommt mir so vor als wäre das jetzt der erste Song überhaupt von denen, den ich im Rahmen dieses Projekts gehört habe. Das kann eigentlich nicht sein. Oder haben die wirklich kein Stück, das länger als 3 Minuten und 35 Sekunden ist, gemacht? Live habe ich sie nie gesehen weder um 1990 als ich sie das erste Mal gehört habe – A. hat mir 1991 zum Geburtstag Bossanova geschenkt, ihr hörerfreundlichstes, sehr surfiges Album – noch bei ihrer Reuniontour, wo sie ja auch in Berlin waren und es dort ein großes Bloggerstelldichein gegeben hat. Was war damals so gut an den Pixies? Und ist es heute noch? Dass sie anders klangen, frischer, unbelastet von der Rockgeschichte, direkt und ins Herz gehend, keine Gefangenen machend. Sie waren der Zeitgeist und kündigten mit ihrer locker-flockig von der Leber gespielten Mucke den Zusammenbruch eines großen, politischen und geografischen Blocks an und zogen ihr Ding durch. Genau so eine Band bräuchten wir heute. Und ich wäre ihr erster Fan.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 120 Songs ist hier.)

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Präsidentenrücktritt

Mai 31, 2010
  • 1. Reaktion: Das ist kein großer Verlust.
  • 2. Reaktion: Was für ein Mimöschen.
  • 3. Reaktion: Als wenn Deutschland nicht schon genug Probleme hätte.
  • 4. Reaktion: Ein Staatsmann ist was anderes.
  • 5. Reaktion: Kein Wunder, er war ja Banker.
  • 6. Reaktion: SPaulus fand ich auch nie vertrauenserweckend.
  • 7. Reaktion: Die eigentliche Staatsmännin ist M.
  • 8. Reaktion: Life goes on.

3:36 The Stranglers – Golden Brown (1981, live)

Mai 30, 2010
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Every time just like the last
On her ship tied to the mast
To distant lands
Takes both my hands
Never a frown with golden brown

Schwierige Wahl heute, der größte Hit der Stranglers setzt sich knapp gegen Lloyd Cole, Mary Margaret O’Hara und The House of Love durch. Die auf einem Cembalo gespielte Ohrwurmmelodie, ein Evergreen wie er im Buche steht, höre ich immer wieder gern. Worum es geht, ob um Heroin, eine Frau oder gar Marmite (;-)), ist letztlich eher unbedeutend. Ich höre das Lied mit Vorliebe mit geschlossenen Augen auf dem Kopfhörer und die Taktwechsel erzeugen bei mir Kaskaden bunter, kaleidoskopartiger Formen im Kopf, die sich auffächern und mit permanent steigender Geschwindigkeit auf mein Gehirn niederprasseln. So ähnlich stelle ich mir einen LSD-Rausch vor.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 119 Songs ist hier.)

3:37 Pinback – Loro (1999)

Mai 29, 2010
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four, nine, five, three, one
four, nine, five, three, one

Rob Crow and Zach Smith haben Ende der Neunziger eine Band in San Diego gegründet, die von vorneherein ihren ganz eigenen Sound hatte. Das Rezept war einfach, zwei Gitarren plus Schlagwerk plus zwei Stimmen. Loro war eine ihrer ersten Singles und sie weben da ein dichtes Netz aus den Schwingungen der Gitarrensaiten, in dem man sich sofort sehr gut aufgehoben fühlt. Dazu singt und summt erst der eine, dann im Kreuzgesang der andere. Das erinnert entfernt an die Vokalharmonien der Beach Boys, die ja auch von der sonnigen Westküste kamen. Mit dem Unterschied, dass es hier ruhiger zugeht und die Musik nicht auf den Wellen surft, sondern eher ein glattes, windstilles Meer evoziert. Da ist zwar eine Strömung, aber es ist ein Sog nach unten in die Tiefe, der nichts mit überirdischen klimatischen Bedingungen zu tun hat.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 118 Songs ist hier.)

Äsop und die Schuldenkrise

Mai 29, 2010

Die Deutschen sind die Ameisen, ebenso wie die Japaner und Chinesen, sie sind allesamt fleißig und sparsam, wie nicht anders zu erwarten, und die Heuschrecken sind – na, wer wohl? – die Amerikaner, Briten, Griechen, Spanier, die tanzen und singen den ganzen Sommer, und wenn es dann Winter wird, haben sie nichts zurückgelegt und müssen die Ameisen anbetteln.

3:38 Joni Mitchell – Edith and the Kingpin (1975)

Mai 28, 2010
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Women he has taken grow old too soon
He tilts their tired faces
Gently to the spoon

The Hissing of Summer Lawns, was für ein phantastischer Titel für ein Album. Das Innenfoto von Joni im dunklen Bikini im Wasser, mit geschlossenen Augen auf dem Rücken liegend (Foto auf dem Kopf). Ich erinnere mich an kein anderes Bild von ihr, wo sie soviel Haut zeigt. Das Album, das von vielen als ihr Bestes angesehen wird – allerdings nicht von mir – ist eines ihrer Körperlichsten (neben Don Juan’s Reckless Daughter). Afrika steht hier im Zentrum, zum einen die Kriegstrommeln von Burundi auf The Jungle Line, dann das Cover mit der Gruppe von Schwarzen auf einer grünen Wiese (Central Park?) vor New York, die eine lange Schlange in den Händen halten. In dem heutigen Lied geht es nach Joni’s Angaben um eine fiktive Verknüpfung zweier realer Personen. Einem Zuhälter, den sie in Vancouver getroffen hat (der Kingpin) und Edith Piaf. Was wäre passiert, wenn die beiden sich getroffen hätten? Wahrscheinlich hätte Joni dann niemals diesen wunderbaren Song geschrieben. Übrigens ein Lied, das bereits in die Zukunft weist, die Stimmung ist sehr relaxed und abgeklärt, ähnlich wie auf ihrem Roadalbum Hejira, das dann ein Jahr später rauskam.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 117 Songs ist hier.)

3:39 The Smiths – This Night Has Opened My Eyes (1983 Peel session)

Mai 27, 2010
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The dream is gone
but the baby is real
oh you did a good thing
she could have been a poet
or, she could have been a fool
oh you did a bad thing

Das Lied habe ich das erste Mal nach dem Ende der Smiths so ca. 1988 gehört. Es ist auf dem zweiten Album Hatful of Hollow, das vielleicht sogar mein Liebstes ist, da es als einziges – wenn man mal von der Livescheibe Rank absieht – so etwas wie einen unpolierten Garagensound hat. Es enthält B-Sides und alternative Versionen wie z.B. BBC-Studioaufnahmen. Ich hatte mir damals die sechs Smiths-Alben (inklusive der Kompilation The World Won’t Listen) bei Zweitausendeins in der Türkenstraße als billigen, portugiesischen Reprint – ich glaube für lächerliche 30 Märker – gekauft. Eine Platteninvestition, die sich gelohnt hat. Dieses Stück zeichnet sich wiederum durch einen stark nach vorne gemixten Bass aus. Der rumpelt in einem Schneckentempo dahin, dass es eine wahre Freude ist. Das ganze Lied ist eher langsam, fast schon meditativ, angelegt. Es hört sich ein bisschen so an als wäre es im Halbschlaf aufgenommen worden. Dem dritten Zustand, den ich den anderen beiden schon immer bevorzugt habe, da er Wachheit und Schlaf umfasst und somit in gewisser Weise über ihnen steht. Morrissey erzählt die Moritat von einer Abtreibung und seufzt auf seine unnachahmliche melodische Art und Weise. Johnny Marr’s Gitarre wacht im Laufe des Songs ebenfalls allmählich auf und er steuert seine funkelnden, swingenden Riffs bei. Wenn ich das Lied höre, möchte ich wieder fünfundzwanzig sein. Aber nicht heute. Nein. Damals. Und wenn Nietzsche und die alten Inder Recht haben, dann wird mir das sogar vergönnt sein.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 116 Songs ist hier.)

peter praschl on the berlinale 2010

Mai 26, 2010

erst jetzt entdeckt, einige filmkritiken von peter praschl für das sz-magazin. mammuth will ich jetzt unbedingt sofort sehen.

3:40 Miles Davis – Time after Time (1985)

Mai 26, 2010

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Aus 118 als okay bewerteten Tracks mit 3 Minuten und 40 Sekunden Länge auf meiner Festplatte habe ich dieses Instrumentalstück ausgewählt. Es gehört zwar leider zu der Sorte „abgenudelt bis dass es aus den Ohren wieder rauskommt“, aber wenn man mal versucht, von der Melodie zu abstrahieren, dann bleibt dieser kleine, stolze, schüchterne, eigenwillige, respektvolle, nebelverhangene, mit dem Rücken zum Publikum gespielte Ton übrig. Und der darf in einer Lieblingsmusiksammlung einfach nicht fehlen.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 115 Songs ist hier.)

Happy Birthday T. oder Nach Dylan kam nix mehr

Mai 25, 2010

Das Schöne an dem Gejammer über die aktuelle Rock- und Popmusik, das ich im Grunde schon seit fast zehn Jahren – also mit meinem ersten Blog – anstimme, ist ja, dass ich genau weiß, dass jeder mal an diesen Punkt kommt, wo er den aktuellen, heißen Scheiß nicht mehr goûtieren kann weil er ihn viel besser schon mal vor vielen Jahren im Original gehört hat. Ich bin da schon drüber hinaus. Ich kann inzwischen auch die Sachen von früher kaum noch genießen. Das hat sich alles so fürchterlich abgenudelt. Bis auf die paar Songs, die ich hier auswähle. Für eine Songperle ziehe ich mir hundert uninspirierte 0815-Lieder rein. Es ist unglaublich, aber das Verhältnis ist wirklich fast so extrem. Danke fürs Mitlesen und -hören.