Push the Sky Away

heißt das neue Album von Nick Cave und seinen Black Bad Seeds. Ich war nie ein großer Fan von seinem Shtick, seinem dunkel-düsteren Sprechgesang, seinen ominösen Predigten vom Makabren und Morbiden auf Erden im alttestamentarischen Duktus. Meine einzige Platte von ihm war die Doppel-EP Your Funeral, My Trial. Sie hatte den Charme eines Todeskusses vom Sensenmann himself und passte ganz gut zu meiner Stimmung in der ersten Hälfte des Studiums in München. No Future from the other side of the world. Natürlich habe ich ihn im Himmel über Berlin in der zweiten Hälfte der Achtziger gesehen, da machte er in einem Berliner Club einen Höllenlärm mit den Bad Seeds. Das neue Album ist anders, es ist sehr ruhig, sehr sparsam instrumentiert, sehr gut abgehangen. Im Zentrum des Songzyklus steht Jubilee Street, eine Mordballade aus dem Rotlichtmilieu. Neben der das Motiv spielenden, sich scheinbar langsam beschleunigenden E-Gitarre und dem schleppenden Schlagwerkrhythmus hört man einen Streicherteppich und eine einzelne Viola, die im Stile von John Cale in seinen besten Velvet Underground-Zeiten im Hintergrund schöne Dissonanzen beiträgt. Das steigert sich dann sukzessive, ein amorpher Frauenchor kommt noch hinzu und kurz vor dem Klimax, der in eine Kakophonie münden will, fadet der Song aus. Eine Offenbarung und wahrscheinlich sein bestes Lied seit The Mercy Seat.

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