Archive for the ‘DEU’ Category

10 Bücher für die Insel

September 16, 2015

In Zeiten von E-Books zwar ziemlich sinnbefreit und außerdem gibt es die Bücher gar nicht alle, aber egal.

  • Bibel
  • Fjodor Dostojewski – Die Brüder Karamassoff
  • Edgar Allen Poe – The Pit and the Pendulum
  • Friedrich Nietzsche – Menschliches, Allzumenschliches
  • Theodor W. Adorno – Minima Moralia
  • Tagebuch einer Radfahrt nach Ierapetra im Sommer 1982
  • Jack London – John Barleycorn Must Die
  • Joni Mitchell – Lyrics
  • D.T. Suzuki – The Zen Monk’s Life
  • Karl Kerenyí – Die Mythologie der Griechen

Und wie sähen Eure Listen aus, D. und S. ?

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Push the Sky Away

Februar 18, 2013

heißt das neue Album von Nick Cave und seinen Black Bad Seeds. Ich war nie ein großer Fan von seinem Shtick, seinem dunkel-düsteren Sprechgesang, seinen ominösen Predigten vom Makabren und Morbiden auf Erden im alttestamentarischen Duktus. Meine einzige Platte von ihm war die Doppel-EP Your Funeral, My Trial. Sie hatte den Charme eines Todeskusses vom Sensenmann himself und passte ganz gut zu meiner Stimmung in der ersten Hälfte des Studiums in München. No Future from the other side of the world. Natürlich habe ich ihn im Himmel über Berlin in der zweiten Hälfte der Achtziger gesehen, da machte er in einem Berliner Club einen Höllenlärm mit den Bad Seeds. Das neue Album ist anders, es ist sehr ruhig, sehr sparsam instrumentiert, sehr gut abgehangen. Im Zentrum des Songzyklus steht Jubilee Street, eine Mordballade aus dem Rotlichtmilieu. Neben der das Motiv spielenden, sich scheinbar langsam beschleunigenden E-Gitarre und dem schleppenden Schlagwerkrhythmus hört man einen Streicherteppich und eine einzelne Viola, die im Stile von John Cale in seinen besten Velvet Underground-Zeiten im Hintergrund schöne Dissonanzen beiträgt. Das steigert sich dann sukzessive, ein amorpher Frauenchor kommt noch hinzu und kurz vor dem Klimax, der in eine Kakophonie münden will, fadet der Song aus. Eine Offenbarung und wahrscheinlich sein bestes Lied seit The Mercy Seat.

Kein Warten mehr auf Godot

Februar 3, 2013


My Bloody Valentine haben nach über 20 Jahren endlich das seit Ewigkeiten erwartete Nachfolgealbum von Loveless veröffentlicht. Es klingt jetzt alles in allem nicht wie der ganz große Wurf, aber immerhin gibt es Songs wie Only Tomorrow, die da anknüpfen wo sie 1991 aufgehört hatten. Da wird ein dichter Klangteppich aus verzerrtem Gitarrenkrach gewebt, der in eine überirdisch schöne Melodie mutiert. In diesem Stück gehen Dream Pop und Heavy Metal eine Hochzeit im Himmel ein, das gewaltige, massive, bedrohliche Gitarrenriff verliert durch das Vibrato und das Feedback all seine Schwere und löst sich sozusagen in Luft auf. Das haben sie 1991 auch schon hingekriegt, aber es tut gut, zu hören, dass sie es immer noch können.

P.S. Der von mir gestartete I Love Music Thread zum Lied hebt auch so langsam ab…

Wilko Johnson

Januar 10, 2013

Erinnert sich noch jemand an den ehemaligen Gitarristen von Dr. Feelgood, einer englischen Rhythm & Blues-Band der Siebziger, die ihre beste Zeit vor dem Punk hatte, wenn man mal ganz ehrlich ist, dann waren sie eigentlich Punk bevor es Punk überhaupt gab. Damals nannte man das dann Pubrock, auch kein Genrename, der unbedingt Lust auf die Musik macht, die er bezeichnet. Wilko Johnson hat unheilbaren Bauchspeicheldrüsenkrebs und hat sich entschieden, keine Chemotherapie erhalten zu wollen und stattdessen zu touren und seine Gitarre so lange nicht aus der Hand zu geben bis er nicht mehr kann. Ein wahrer Punk eben. Hier spielt er ein göttliches Riff in seinem unnachahmlichen stakkatohaften Stil mit roboterhafter Motorik und es wird dazu Beat getanzt. Da möchte man fast sagen „Beam me back, Scottie“. Oh Mist, falsches Filmzitat.

Allah-Las – Tell Me What’s on Your Mind

Dezember 20, 2012


Früher hätte man hierzu Revival gesagt, heute sagt man Retro.
Die Allah-Las – was für ein dämlicher Name, da war ja Shangri-Las noch origineller – kommen aus California, sind angeblich Surfer und haben es drauf einen Sechzigerjahrepsychedelikguitarpop zu spielen wie wenige andere. Entfernt erinnert mich das an Green On Red und Dream Syndicate und den sehr amerikanisch-folkigen und ziemlich abgedrehten Paisley Underground vor knapp dreißig Jahren, aber wahrscheinlich sind die Kinks, die Troggs, die Thirteen Floor Elevators und diverse psychedelische 60er Jahre-Garagenbands, die man auf dem Nuggets-Sampler fnden kann näher an dieser Musik. Was ich doch sehr verblüffend finde ist, dass nahezu alle Lieder auf ihrem Album Eigenkompositionen sind, die so klingen als hätte man sie schon mal gehört. Und wie dieses lässige Album so dahinfließt, das ist schon ganz großes Ohrenkino. Von dem ganzen Retrogedudel (gab es eigentlich was anderes, wirklich Neues dieses Jahr?), das 2012 rausgehauen wurde, so ziemlich das Anhörenswerteste.

Dinosaur Jr. – Watch the Corners

Dezember 10, 2012


Wer hätte gedacht, dass Dinosaur Jr. nochmal ein Stück veröffentlichen würden, dass Freak Scene (von vor über 20 Jahren) toppen würde? Sie haben es gemacht, der zottelige Oberdinosaurier singt cool in seine Zottelmähne hinein wie immer, malträtiert die Gitarre wie immer, aber so, dass aus dem Feedback unglaubliche, oberirdische Melodien hervorspringen. Das helle Licht in diesem krachigen Song, ich glaube man muss schon Amerikaner sein, um so verdammt positiv zu klingen. Das neue Album hält dann das Versprechen dieses phantastischen Gitarrenorkans leider nicht. Aber ein gutes Lied von jemandem, den man schon seit sehr langer Zeit abgeschrieben hatte, das ist doch auch schon was.

Kategorischer Imperativ für Autoren

September 19, 2012

Idee einer FiFo-Bibliothek: Die Bibliothek ist ein Stapel. Die Ausleihdauer ein Monat. Wenn das Buch ausgelesen ist, muss der Leser etwas darüber schreiben, die Lektüre verdauen und in einem Text, der  etwa 1% des gelesenen Buches ausmacht, resümieren. Und jetzt kommt der Clou. In diese Bibliothek kommen ähnlich wie in Brautigan’s Bibliothek aus The Abortion nur unveröffentlichte Manuskripte, die die Autoren dort vorbeibringen. Sie müssen für jedes abgegebene Buch, das ganz unten in den Stapel kommt, ein Buch lesen und zwar dasjenige ganz oben im Stapel. Wer selber schreibt, muss auch andere Bücher lesen und über diese dann kondensiert schreiben. Damit ergibt sich eine Kommunikation zwischen den Autoren. Und keiner textet die Welt mehr zu als er selbst von der Welt zugetextet wird. Ausgelesene Bücher kommen wie auch neue Bücher ganz unten in den Stapel.

[File under: brainstorms on the ergometer]

amour

September 4, 2012

von haneke gestern als omu in frankfurt gesehen. kaum erträglich. die szenen sehr langsam, meistens ohne schnitt, zäh. es geht ums altern, oder präziser ums verrecken. das ende kommt fast als erlösung, wobei mich der moment schockiert hat. einer der letzten glücklichen weil innehaltenden augenblicke, er erzählt ihr eine geschichte aus der kindheit, sie hört mit dem schreien auf und scheint ganz ohr. und dann nimmt er das kissen und … der schluss des films dann wirklich nervig, wo er versucht, die taube zu fangen und darüber ins an sie gerichtete tagebuch schreibt. insgesamt ein sehr realistischer film (der auftritt des pianisten alexandre tharaud, der sich selbst spielt, zu herzen gehend), dem man anmerkt, dass der regisseur sich mit der materie intensiv beschäftigt hat.

dreieinhalb sterne.

love is all you need

Juli 9, 2012

gestern abend am frankfurter hauptbahnhof warte ich auf gleis neun auf meinen wegen „personen auf den gleisen“ um eine gute halbe stunde verspäteten zug zum berliner ostbahnhof, auf den der db infopunkt netterweise mein ticket umgeschrieben hat, das eigentlich einen umstieg in hannover vorgesehen hatte, den ich aber niemals geschafft hätte weil der zug nach hannover aus demselben grund verspätet war. lese karl, die kulturelle schachzeitschrift mit einem special zum moskauer wm-kampf, die ich mir in der bahnhofsbuchhandlung gekauft habe. ein eher langweiliges match für die hardcorefraktion. ich hebe den blick und sehe mir gegenüber auf gleis acht ein pärchen in einem zug, der gleich abfahren wird, auf den stufen zum wagen stehen. er mit dem rücken zu mir, sie dahinter mit dem gesicht zu mir. sie sind engumschlungen, küssen sich als gäbe es kein morgen. für eine gefühlte ewigkeit. irgendwann gibt der schaffner das pfeifsignal, der junge mann beendet den kuss und steigt aus dem zug, der sich langsam in bewegung setzt. er geht neben dem zug und winkt seiner angebeteten ganz leicht mit der rechten hand zu. der zug beschleunigt, er auch. er rennt parallel zum zug auf ihrer höhe den bahnsteig entlang bis kurz vor seinem ende. so eine schöne filmszene habe ich lange nicht mehr gesehen.

das bild das sich heute in meine hirnwindungen eingefräst hat

März 28, 2012

heute morgen auf dem weg zur arbeit: ich bewege mich zu fuß auf den viktoria-luise-platz zu. da kommt ein radfahrer an mir vorbeigeschossen. ich traue meinen augen nicht. auf seinem rücken trägt er seine tochter. sie hat ihre arme um seinen hals geschlungen und hängt da wie ein klammeräffchen. ich schätz mal sie ist 5-6 jahre alt. da gehört schon eine ganz schön gehörige portion von gegenseitigem vertrauen dazu, um so etwas zu machen. bewundernswert.